08.06. – 15.06.2018: Wander- und Kulturreise Serbien

 

Vorwort:

Serbien gehört zweifelsohne zu den unbekannten Reisezielen in Europa, wenn man mal von Belgrad als Kultur- und Partymetropole absieht. Eigentlich zu Unrecht, denn dieser Balkanstaat hat einiges für einen unbeschwerten Aktivurlaub zu bieten: Wilde und unberührte Naturlandschaften, reichlich Kultur und natürlich die Hauptstadt Belgrad mit unzähligen Sehenswürdigkeiten.

Nach einer langen Wartezeit, verbunden mit einer riesigen Vorfreude, war es dann endlich soweit: Am 08. Juni 2018 flogen 8 Personen in die serbische Hauptstadt Belgrad.

 

 

8. Juni: Flug nach Belgrad

Unsere Anreise nach Belgrad (Београд) verlief ohne größere Zwischenfälle, allerdings kamen wir erst kurz um Mitternacht in der der serbischen Hauptstadt an. Am Flughafen „Nikola Tesla Airport“ (Аеродром Никола Тесла Београд) wurden wir bereits von Milorad von der Agentur iSerbia-Travel und dem Fahrer begrüßt, der uns nach einer kurzen Fahrt in das Mark Hotel Belgrade fuhr. Nach einem schnellen Check-In legten wir uns natürlich gleich schlafen.

 

 

9. Juni: Stadtführung Belgrad

Etwas übermüdet nach dieser relativ kurzen Nacht genossen wir das reichhaltige Frühstück im neu renovierten Markhotel. Dieses 4Sterne-Hotel können wir mit ruhigen Gewissen für einen Belgrad-Urlaub empfehlen! Nach dem Frühstück erkundigten wir die Stadt auf eigene Faust, ein Teil der Gruppe fuhr mit dem Taxi zum Tito-Mausoleum „Haus der Blumen“: https://de.wikipedia.org/wiki/Haus_der_Blumen. Die letzte Ruhestätte des ehemaligen jugoslawischen Staatspräsidenten Josip Broz Tito (https://de.wikipedia.org/wiki/Josip_Broz_Tito) gleicht auch heute noch einer Pilgerstätte. Außer uns besuchten zahlreiche Personen aus den jugoslawischen Nachfolgestaaten das „Haus der Blumen“. Noch heute genießt Tito eine hohe Popularität in den jugoslawischen Nachfolgestaaten.

Danach ging es zurück in die Innenstadt, wo wir am vereinbarten Treffpunkt von unserem Stadtführer Dimitrije empfangen wurden. Dimitrije lebte einige Jahre in München, während der mehrstündigen Stadtführung erzählte er allerhand zur Geschichte, Kultur und Architektur von Belgrad. Seine Erläuterungen waren sehr informativ und kurzweilig, sein serbisch-bayrischer Charme rundete diese Stadtführung ab. Beendet wurde der Rundgang durch Beograd an der Anlegestelle der Ausflugsschiffe am Save-Ufer. Nun stand noch eine ca. 2stündige Schifffahrt auf der Save und Donau auf dem Programm. Unser Guide erzählte auch auf dem Wasser allerhand Wissenswerte über die serbische Hauptstadt. Irgendwann ist leider auch die schönste Bootsfahrt zu Ende – Wir verabschiedeten uns von Dimitrije und fuhren in ein landestypisches Restaurant, wo wir diesen Tag bei leckeren serbischen Speisen beschlossen.

Weitere Infos zu Belgrad: https://de.wikipedia.org/wiki/Belgrad

 

 

10. Juni: Fahrt in den Nationalpark Đerdap (Eisernes Tor) und kleine Wanderung

Bereits nach dem Frühstück verließen wir das hervorragende Markhotel und Belgrad und fuhren Richtung Eisernes Tor – Die ca. 3stündige Fahrt führte uns teilweise durch verträumte und einsam wirkende Dörfer, doch dann erreichten wir schließlich die Ortschaft Donji Milanovac (Доњи Милановац). D. M. liegt direkt an der Donau, ganz in der Nähe vom Eisernen Tor: https://de.wikipedia.org/wiki/Eisernes_Tor. Dieses Durchbruchstal gehört zu den spektakulärsten seiner Art in Europa und ist gleichzeitig eines der größten Naturwunder in Serbien.

Das Hotel Lepenski Vir" liegt etwas oberhalb von Donji Milanovac und strahlt noch einen gewissen sozialistischen Charme aus. Heute wird dieses Hotel wohl überwiegend von Schulklassen gebucht. Nach dem Check-In durch die Chef-Rezeptionistin mit ihrem „spröden“ Charme konnten wir schließlich zu unserer Nachmittags-Wanderung starten.

Wir unternahmen folgende Tour: http://www.turizam.npdjerdap.org/?page_id=164&lang=en. Dies ist auch die einzige ausgeschilderte Wandertour, die auf eigene Faust ohne Begleitung eines Nationalpark-Rangers durchgeführt werden darf. Die Wanderung zum Zlatno Jezero (Goldener See) war landschaftlich sehr reizvoll, führte uns durch eine liebliche Hügellandschaft mit alten, teilweise schon verfallenen, Gehöften, vorbei an blumenreichen Wiesen und zeitweise auch durch einen lichten Eichenmischwald. Wir „modifizierten“ allerdings die reguläre Route und liefen diese Tour sogar als Rundwanderung. Der Rückweg war allerdings im Gegensatz zum Hinweg nicht mehr markiert, wir meisterten diesen Umstand allerdings ohne uns einmal zu verlaufen. Erschwerend kam hinzu, dass die meisten Wege in keiner Onlinekarte eingezeichnet waren – Serbien ist aktuell einfach noch nicht das typische Wandergebiet. Nach ca. 11 Kilometern und guten 3 Stunden Gehzeit kamen wir in der Ortsmitte von D. M. an.

Zum Abendessen waren wir einem Restaurant in Ufernähe, abgerundet wurde dieser Tag mit einem herrlichen Sonnenuntergang über der Donau.

 

 

11.Juni: Wanderung Eisernes Tor und Fahrt in den Stara Planina Nationalpark

Heute schließlich stand eine Wanderung im Herzen des Đerdap-Nationalparks (https://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Đerdap) auf dem Programm - Es handelt sich hierbei um die größte Flussklippenlandschaft Europas mit einer reichhaltigen Geschichte, Flora und Fauna. Wie bereits erwähnt, darf die Kernzone des NP nur in Begleitung eines Rangers erwandert werden.

Im Nationalparkzentrum mussten wir uns registrieren und ein kleines Eintrittsgeld + Gebühr für den Ranger bezahlen, alles in allem ca. 5 Euro pro Person. Danach fuhren wir mit Ranger Aleksandar zum Einstieg (Pecka bara, 89 m) der heutigen Wanderung: http://www.turizam.npdjerdap.org/?page_id=110&lang=en. Er öffnete die Schranke und das Wandervergnügen konnte starten. Wir kamen an mehreren Aussichtspunkten vorbei, genossen den atemberaubenden Tiefblick auf die Engstelle der Donau, das sogenannte „Eiserne Tor“ und natürlich einen immensen Artenreichtum an Insekten und Pflanzen aus der pannonischen Florenprovinz: https://de.wikipedia.org/wiki/Pannonische_Florenprovinz. Höhepunkt der heutigen Wanderung war zweifelsohne der Tiefblick vom 768 Meter hohen Veliki Štrbac auf die ca. 700 Meter unter uns liegende Donau. Auf gleichem Wege ging es zurück zum Startpunkt.

Nach ca. 16 Km, etwa 800 Höhenmetern etwa 4-5 Stunden Wanderzeit kamen wir wieder am Ausgangspunkt an.

Bevor wir zurück zu unserem Hotel fuhren, besichtigten wir die höchste Felsskulptur Europas, die 55 Meter hohe Statue des Decebalus: (https://de.wikipedia.org/wiki/Statue_des_Decebalus), welche bereits in Rumänien liegt, von der gegenüberliegenden, serbischen, Uferseite

Danach ging es zurück zum Hotel und nach einem zügigen Check-Out fuhren wir in die südserbische Stadt Pirot (Пирот), welche am Rande des Stara Planina Gebirges liegt. Unser Hotel in Pirot für die nächsten 3 Tage war das Hotel Ana Lux, ein modernes 4Sterne-Hotel inmitten des Stadtzentrums gelegen.

Diesen großartigen Tag beschlossen wir im hoteleigenen Restaurant bei wahlweise sehr leckerer serbischer oder italienischer Küche.

 

 

12. Juni: Wandurung Midzur – Höchster Berg von (Zentral)Serbien

Heute schließlich stand die wohl „wichtigste“ Wanderung der gesamten Serbienreise auf dem Programm: Die Besteigung des höchsten Berges Serbiens, dem 2169 Meter hohen МИЏОР / МИДЖУР (MIDŽOR / MIDŽUR). Das gesamte Bergmassiv ist Teil des serbisch/bulgarischen Stara-Planina Nationalparkes und bildet gleichzeitig die Grenze zu Bulgarien. Lediglich im Kosovo, welcher von einigen Staaten Europas noch als Teil Serbiens betrachtet wird, gibt es höhere Berge.

Die Anreise zum Ausgangspunkt Бабин зуб (Babin zub) dauerte etwa 1,5 Stunden und führte uns durch eine wilde und naturnahe Gebirgslandschaft. Rund um die „Großmutters Zähne“ befindet sich ein Skigebiet mit dem entsprechenden Trubel während der Wintermonate. Doch jetzt, während der Sommermonate, wirkte dieses Gebiet beinahe wie ausgestorben. Direkt beim gleichnamigen Hotel auf einer Höhe von ca. 1580 Metern startete unsere heutige Tour, das Gipfelziel war von Anfang an vorbildlich mit roten Wegweisern markiert. Anfangs ging es durch einen lichten Buchenwald, später folgten wir einem breiten Weg entlang blumenreicher Wiesenhänge. Die Blumenvielfalt war immens, wir entdeckten als Besonderheit eine seltene Lilienart und weitere Pflanzen, die nur im Balkangebirge vorkommen. Leider wurde es zunehmend bewölkter, glücklicherweise blieben wir während der gesamten Wanderung vom Regen verschont. Nach gut 8 Km erreichten wir den 2169 Meter Gipfel, welcher eine mittlerweile halbverfallene Betonsäule ziert. Nun war Zeit für das obligatorische Gipfelfoto, einem Umtrunk mit einem serbischen Wein und natürlich wurde auch die serbische Flagge gehisst. Der Rundumblick war leider etwas eingeschränkt, vor allem von der bulgarischen Seite zogen immer wieder dichte Wolkenformationen und Nebelschwaden hoch. Doch wir wollten uns nicht beklagen, Hauptsache kein Regen oder gar ein Gewitter.

Der Rückweg war vollkommen identisch mit dem Hinweg, dennoch gab es für uns wieder vollkommen neue Eindrücke und somit auch unzählige Fotomotive. Kurz vor Ende der Wanderung kehrten wir in einer Hütte ein, das kühle Pivo (Bier) mit Panoramablick Richtung Midschur war natürlich obligatorisch. Nach einer reinen Gehzeit von ca. 5 Stunden, ca. 16 Km Streckenlänge und etwa 700 Höhenmeter im Auf- und Abstieg kamen wir wieder beim Hotel Babin Zub an. Überhaupt ist dieser Länderhöhepunkt wohl der „einfachste“ auf dem Balkan, ganz gleich ob auf die Strecke, die Höhenmeter oder die technischen Schwierigkeiten bezogen.

Ein ausführlicher Besteigungsbericht, allerdings mit Startpunkt Topli Do, befindet sich hier: http://www.hikr.org/tour/post28726.html.

Die Rückfahrt verlief reibungslos, wir machten noch einen kleinen Stopp bei den Bigar-Wasserfällen.

Nach diesem großartigen Gipfeltag gönnten wir uns ein gemeinsames Abendessen im Kafana 3, ein Restaurant mit guter Bewertung und leckerer Küche. Auch wenn dieses Restaurant unscheinbar inmitten von Plattenbauten liegt, der äußere Eindruck täuscht, wir waren mit dem Essen sehr zufrieden.

 

 

13. Juni: „Wasserfall-Wanderung“ im Stara-Planina Nationalpark

Nach der erfolgreichen Besteigung des höchsten Berges von (Zentral)Serbien stand heute erneut eine Wanderung im Stara-Planina-Nationalpark auf dem Programm. Diesmal verzichteten wir auf eine Bergtour, stattdessen unternahmen wir eine Wanderung zu 2 sehr reizvollen Wasserfällen.

Die Fahrt von Pirot in das beschauliche und mittlerweile fast verlassene Dorf Topli Do (Топли До) dauerte eine knappe Stunde, die letzten 15 Km legten wir auf einer schmalen und abenteuerlichen Straße zurück.

Bereits am Ortseingang bei der Brücke (ca. 700 m) waren mehrere Wanderziele mit roten Wegweisern ausgeschildert – Überhaupt waren wir über die gute Beschilderung in diesem ansonsten so untouristischen Gebiet überrascht. Wir folgten während der gesamten Wanderung den Weg taleinwärts, bis uns eine deutliche Beschilderung rechterhand zum Piljski Vodopad leitete. Dieser „Abstecher“ erforderte allerdings die Überwindung von ca. 300 Höhenmetern und eine leichte Kraxeleinlage am Ende – Doch dann standen wir vor dem imposanten Piljski-Wasserfall. Mit ca. 1100 Metern war dies auch der höchste Punkt der heutigen Wanderung. Um uns herum keine Menschenseele, das wäre in den Alpen wohl undenkbar, aber das macht u. a. der Reiz des Wanderns auf dem Balkan aus. Danach gingen wir auf gleichem Wege zurück bis zum Abzweig. Nun liefen wir weiter auf dem unbefestigten Fahrweg flußaufwärts. Während der gesamten Wanderung entdeckten wir zahlreiche Schmetterlinge und Käfer (z. B. auch den Hirschkäfer), wir waren von der Unberührtheit der Natur total begeistert. Kurz vor dem Krmoljski Vodopad wurde der Wegfindung etwas schwieriger, auch war teilweise der Weg von Brennnesseln überwuchert. Der Krmoljski-Wasserfall ist zwar nicht ganz so spektakulär wie der Piljski Vodopad, ein Besuch hatte sich dennoch gelohnt. Hier, auf einer Höhe von ca. 1000 Metern, war auch der Wendepunkt der Wanderung – Auf gleichem Wege liefen wir zurück bis nach Topli Do. Unmittelbar nach Eintreffen am Ausgangspunkt fing es zu regnen an, wieder einmal ein perfektes Timing! Hier wartete bereits unser Fahrer mit Kleinbus, der uns zurück zum Hotel brachte.

Weitere Infos zu dieser Tour: https://www.wikiloc.com/hiking-trails/stara-planina-topli-do-piljski-vodopad-krmoljski-vodopad-2053103

Die Wanderstrecke betrug ca. 19 Km, etwa 700 Höhenmeter. Reine Gehzeit: 5 Stunden

Fazit: Es muss nicht immer ein Berggipfel sein, auch Wasserfälle und eine beinahe unberührte Landschaft sind nicht minder reizvoll!

Der Bequemlichkeit halber gingen wir wieder im Hotel Abendessen – Wieder konnten wir aus einer reichhaltigen Speisekarte wählen, abgerundet wurde das Dinner durch ein leckeres Dessert :-)

 

 

14. Juni: Rückfahrt nach Belgrad

Zum letzten Mal genossen wir das reichhaltige Frühstück im Hotel Ana Lux, nutzten die Zeit danach nochmals für einen kleinen Bummel über den zentralen Platz von Pirot. Später wartete bereits unser Fahrer vor dem Hotel – In einer gut 3stündigen Fahrt ging es über Niš (Ниш) bis Belgrad. Hier checkten wir im Hotel Slavija Garni ein, welches sich am verkehrsreichsten Platz Belgrads, dem Slavija Platz, befindet. Das Hotel ist schon etwas in die Jahre gekommen und strahlte einen gewissen jugoslawischen Charme aus.

Danach bummelten wir nochmals durch Belgrad und statteten u. a. dem Dom des Heiligen Sava (https://de.wikipedia.org/wiki/Dom_des_Heiligen_Sava) einen Besuch ab. Des Weiteren ging es auch in die Altstadt Belgrads, wo wir in einen kurzen Gewitterschauer kamen. Das gemeinsame Abendessen fand in einem etwas gehoberen Restaurant statt.

Für Belgrad sind 2 Tage definitiv zu wenig, doch wir konnten wenigstens teilweise einen kleinen Eindruck von dieser sehr lebendigen und pulsierenden Metropole gewinnen.

 

 

15. Juni: Rückflug – Abschied von Serbien nehmen

Unser Urlaub verging leider viel zu schnell – Nach einem feinen Frühstück im Hotel Slavija ging es mit dem Taxi an den Flughafen Nikola-Tesla. Jetzt mussten wir endgültig von Serbien Abschied nehmen…

 

 

Fazits dieser Reise:

  • Serbien ist zu Unrecht ein weißer Fleck auf der Touristenlandkarte: Naturnahe Berg- und Hügellandschaften, sehr viel Kultur und gastfreundliche Menschen machen einen Urlaub in Serbien absolut lohnenswert.
  • Auch vollkommen zu Unrecht hat Serbien ein schlechtes Image aufgrund des mittlerweile lang zurückliegenden Krieges – Die Menschen sind sehr freundlich und waren uns gegenüber vollkommen aufgeschlossen und herzlich!
  • Das Reiseprogramm war sehr vielfältig und die ideale Kombination einer Wander- und Kulturreise
  • Trotz eines gewissen Abenteuer-Faktors im Vorfeld hat vor Ort alles reibungslos geklappt! Mittlerweile haben wir einfach viel Erfahrung in der Organisation von Rundreisen auf dem Balkan :-)
  • Bereits für unsere Balkanreise im Jahr 2019 haben wir die ersten Interessenten! Dann geht es vermutlich nach Rumänien!
  • Es war eine rundum gelungene Wanderreise – Es hat einfach alles gepasst! Ein herzliches Dankeschön an die tolle und harmonische Gruppe!
   
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