Vorder Grauspitz (2599 m) - Höchster Berg von Liechtenstein

 

Kompletter Bericht von unserem Bergwochenende in Liechtenstein vom 02.09. - 04.09.11:

http://www.straussenclique.de/index.php?option=com_content&view=article&id=244&Itemid=260

 

 

Tourenprofil:

Lange und anstrengende alpine Bergwanderung zum höchsten Liechtensteiner. Das erste Stück bis zur Alp Ijes verläuft größtenteils auf breiten Wegen bzw. auf gut markierten Bergpfaden. Ab der Alp Ijes bewegt man sich in ausschließlich weglosem Gelände. Lediglich ein paar Trittspuren zu Beginn d. grasigen Gratrückens erleichtern die Wegfindung. Der Aufstieg vom Schafälpli bis zum Grauspitzsattel ist aufgrund des steilen Geröllfeldes recht anstrengend. Vom Grauspitzsattel bis zum Gipfel folgt der „alpine“ Teil der Tour: Ein teilweise ausgesetzter Grat mit einer schmalen Scharte zwischen Vor- und Hauptgipfel als „Leckerbissen“.

 

 

Zahlen & Fakten:

Wanderzeit: 7-8 Stunden reine Gehzeit 

Streckenlänge: 16-17 Km 

Höhenmeter: ca. 900 Höhenmeter 

Schwierigkeitsgrad der Tour nach der SAC-Wanderskala (Link zur Beschreibung):

Bis Alp Ijes T1-T2, bis Grauspitzsattel: T3, Grat zum Gipfel: T4

 

 

Anforderungen, Schwierigkeiten:

Sehr gute Kondition und Ausdauer: Die Wanderung hat eine reine Gehzeit von ca. 7-8 Stunden. Das erste Stück zur Alp Ijes kann man aufgrund der einfachen Wege schnell zurücklegen. Doch beim Rückweg zur Älplibahn zieht sich dieser Abschnitt in die Länge. 

Beim eigentlichen Gipfelaufstieg benötigt man Trittsicherheit im alpinen Gelände und Schwindelfreiheit auf dem Grat. 

Dafür wird man mit einer grandiosen und einsamen Tour belohnt - Wahrscheinlich wird man aber ab der Alp Ijes keinen weiteren Bergaspiranten begegnen. 

Bei Nässe und Neuschnee ist von einer Gipfelbesteigung abzuraten !

 

 

Für die Organisation unbedingt zu beachten:

Eine Vorreservierung bei der Älplibahn (www.aelplibahn.ch) in Malans/GR ist aufgrund der Transportkapazität von max. 8 Personen pro 15 Minuten einige Tage vor der Tour unbedingt erforderlich. Ansonsten schaut man in die Röhre bzw. muss nochmals 1200 Höhenmeter zusätzlich zu Fuß überwinden. 

Preis: 15 SFR (Stand: Sept. 2011)

 

     

Ausgangspunkt: 

Talstation der Älplibahn in Malans/GR. Von dort Fahrt mit der Seilbahn bis zur Bergstation Älpli

 

     

Strecke:

Älpli (1802 m) - Kamm (2030 m) - Unterst See (1888 m) - Alp Ijes (1934 m) - P. 2148 m - P. 2304 m - Schafälpli (2297 m) - Grauspitzsattel (2502 m) - Vorder Grauspitz (2599 m) - Grauspitzsattel (2502 m) -  Schafälpli (2297 m) - P. 2304 m - P. 2148 m - Alp Ijes (1934 m) - Messhalden (1780 m) - Fläscher Alp (1809 m) - Bad (1954 m) - Kamm (2030 m) - Älpli (1802 m)

 

 

Markierung auf dem Gipfel:

Auf dem Vorder Grauspitz steht ein großer Steinhaufen. Etwas versteckt zwischen den Steinen befindet sich eine Metallkassette mit einem Gipfelbuch von 1992.

 

 

Ausführlicher Tourenbericht:

Der Tag der Grauspitz-Besteigung begann mit einem „frühen“ Frühstück um 6:00 Uhr (!) Dadurch hatten wir ausreichend Zeit für eine erfolgreiche Besteigung. Nichts schlimmeres als die Tatsache, dass ein Gipfel aufgrund Zeitmangel bzw. Zeitdruck nicht erreicht werden kann ! Danach fuhren wir die Rheintalautobahn bis nach Malans GR, wo wir unsere Autos direkt bei der Talstation der Älplibahn (www.aelplibahn.ch) parkierten konnten. Diese sehr urige Bergbahn mit den zwei quietschgelben Kabinen wird von einer Genossenschaft betrieben und kann in 15 Minuten maximal 8 Personen befördern. Es versteht sich von selbst, dass eine Vorreservierung unumgänglich ist (!). Das Bahnpersonal ist sehr humorvoll und bodenständig - Unsere Gruppe von 9 Personen (eine Mitwanderin aus Zürich kam an diesem Morgen direkt zur Talstation) erhielt einen Kaffee auf Kosten des Hauses. Das nennen wir Service und Kundenfreundlichkeit ;-) Nach wenigen Minuten erreichten wir bequem die Bergstation Älpli (1801 m), die eine tolle Sicht über das Rheintal Richtung Chur ermöglichte. Das Abenteuer Grauspitz konnte nun beginnen. Von Älpli liefen wir den breiten Wander- bzw. Wirtschaftweg über Kamm (2030 m) bis zur Verzweigung oberhalb der Alp Bad (1954 m). Hier schlugen wir den Bergwanderweg linkerhand Richtung Fläschertal ein. Leider war kurz danach die Wegspur durch die vielen Kühe zerstört, so dass wir etwas umständlicher und weglos über ein Geröllfeld stiegen. Doch bald erreichten wir wieder den regulären Bergweg, der uns bald zum ausgetrockneten Unterst See (1888 m) führte. Nun ging es den Wanderweg Richtung Alp Ijes weiter, der bald in einen breiten Wirtschaftsweg einmündete. Hier hielten wir uns links, gingen durch 2 Tunnels (Taschenlampen allerdings nicht erforderlich), und erreichten nach einer reinen Gehzeit von weniger als 2 Stunden den Talkessel der Alp Ijes (1934 m). Bis zu dieser Stelle waren wir ziemlich flott unterwegs, es handelte sich größtenteils um breite Wege im T1-Bereich. Jetzt war aber „Schluss mit Lustig“ und der alpine Teil der Tour begann: Von der Alp Ijes erkannten wir den Aufstiegsweg über einen breiten Grasrücken. Über einen steilen Wiesenhang mit spärlichen Wegspuren erreichten wir den Punkt 2148 mit einem Mini-Bergsee und einem breiten Plateau. Hier verabschiedeten sich 3 Personen unserer Gruppe, die wieder nach Ijes abstiegen und dort den Tag genossen. Die 6 verbliebenen Berggänger stiegen weiter steil bergan und erreichten den Aufstiegsgrat zum Hinter Grauspitz, dem zweithöchsten Berg in Liechtenstein. Hier verließen wir den grasigen Grat und stiegen linkerhand in das Schafälpli, eine geröllige Mulde, ab. Von diesem Punkt wirkte der Vorder Grauspitz wie eine beinahe senkrechte Geröll- und Felswand, die auf dem ersten Blick als unbesteigbar erscheint. Wir steuerten über ein steiles Geröllfeld den Grauspitzsattel (2502 m) an. Nun machten wir eine kleine Pause und stiegen dann linkerhand über einen breiten mit Steinen besetzten Grat Richtung Gipfel. An manchen Stellen fanden wir einfaches Gehgelände vor, andere Passagen waren dann wieder sehr ausgesetzt (T4). Schon nach ca. 15 Minuten erreichten wir den Vorgipfel - Nur eine nach beiden Seiten ausgesetzte Scharte trennte uns vom höchsten Liechtensteiner. Die letzten Aufstiegsmeter erforderten nochmals unsere vollste Konzentration, doch dann standen wir auf dem „Top of Ländle“. Die Straußenclique hatte mit dem Vorder Grauspitz (2599 m) den 3. Länderhöhepunkt bestiegen. Wir waren sehr glücklich, freuten uns über die tolle Rundumsicht und über diesen Triumph. Ein Gruppenfoto mit der Liechtensteinflagge und ein Eintrag im Gipfelbuch waren natürlich obligatorisch. Obwohl dieser Berg der höchste Punkt von Liechtenstein darstellt, wird er verhältnismäßig selten bestiegen. Wir waren die ganze Zeit alleine am Berg unterwegs. Der Abstieg führte uns fast identisch zum Aufstiegsweg zurück zur Alp Ijes. Das steile Geröllfeld oberhalb d. Schafälpi und der steile Grasrücken erforderten nochmals unsere vollste Konzentration. Doch nach erreichten wir wohlbehalten wieder die Alp Ijes, wo wir bereits von unseren 3 Kolleginnen und Kollegen begrüßt wurden. Der Rückweg über die Alp Bad war nochmals ein richtiger Schinder: Es war ein extrem heißer Tag und der Rückweg bis zur Bergstation zog sich in die Länge. Nach einer reinen Gehzeit von ca. 8 Stunden, 900 Höhenmetern und einer Streckenlänge von fast 17 Km erreichten wir pünktlich zu unserer reservierten Talfahrt die Bergstation. Zeit für eine kurze Einkehr hatten wir allerdings noch - Das Timing war perfekt ! In wenigen Minuten schwebten wir wieder ins Tal. Als kleines „Abschiedsgeschenk“ entdeckten wir direkt neben dem Parkplatz einen Trupp Wilder Alpenveilchen. Die Rückfahrt zur Unterkunft in Feldkirch verlief ohne Probleme. Anschließend machten wir uns frisch und dann freuten wir uns auf das Abendessen in der Nofler Stuba.


 

   
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